FLECKENKIEKER

Kultur & Politik für Neumünster & Umzu

Behindert genug für das neue BTHG?

Die Sonne scheint schon und wirft die ersten Strahlen in ihr Schlafzimmerfenster, als sie die Augen öffnet. Was Nicole Bernd sieht, ist nicht viel – sie sagt es wäre so, als versuche man durch einen Wasserfall zu sehen. Es ist halb 8 Uhr morgens und erst der routinierte Griff zur Brille verhilft ihr zu etwas mehr Sicht, denn sie hat nur ein Auge und das hat gerade noch eine Sehfähigkeit von ca. 25 %. Sie ist seit ihrer Geburt stark sehbehindert. Hat als Frühchen zu viel Sauerstoff im Brutkasten bekommen. Der Augendruck erhöhte sich so immens, dass ein Auge entfernt werden musste und das andere irreparabel geschädigt wurde. Heute arbeitet die 39 Jährige, zierliche Frau, in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM). Doch sie startet optimistisch in den Tag.
Was wäre sie gerne geworden, sofern es die Behinderung nicht gäbe? „Polizistin, damit die anderen Menschen vor mir Respekt haben, damit ich geachtet werde. Aber dazu braucht man die Freiheit Hindernisse überwinden zu können, Grenzen zu überschreiten. Doch die Grenzen in meinem Leben sind ziemlich fest gesteckt.“ Sie sieht nachdenklich zu Boden. Sie meint, zurück wirft sie eher immer das, was sie nie erreichen wird, wie sich in einer fremden Stadt zu bewegen, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, Fahrradfahren, Sport oder den Führerschein zu machen. Aktivitäten des alltäglichen Lebens sind unerreichbar für Nicole Bernd. Wie gerne würde sie mal mit Inlinern zur Arbeit fahren, aber das hat ihr der Anleiter dort untersagt. Denn die Rechtslage der Straßenverkehrsordnung ist da sehr eindeutig. Laut Artikel 2.2 § 12 „Sehvermögen“ gehört sie zu den Personen, die durch die Teilnahme am Straßenverkehr nicht nur sich, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer gefährden würde. Dies schränkt die Teilhabe am herkömmlichen Leben und massiv ein. So fährt sie unter Aufsicht ihres Freundes, hin und wieder, mit ihren Inlinern auf abgelegenen Parkplätzen.
Nun gibt es das neue Bundesteilhabegesetz (BTHG). Das BTHG ist der Versuch, die Anforderungen aus der UN-Behindertenrechts-Konvention, der sich Deutschland per Unterschrift verpflichtet hat, auch gesetzlich zu verankern. Aktuell schwer einzuschätzen, ob das BTHG als Grundlage zur Entwicklung von Inklusion beitragen wird.
Ich begleite Nicole zu ihrem Arbeitsplatz, um zu sehen, wie die bisherige Inklusion funktioniert. In der Näherei und Werkstatt der Brücke Neumünster hört man in jeder Ecke das Rattern der Maschinen. Ihr Arbeitsplatz ist mit einer speziellen Lampe und einer Lupe ausgestattet. Es ist etwas dunkel. Doch mit der Lampe geht es gerade so. Zumindest dort hat sie ihren Platz gefunden. Sie lächelt zufrieden und zieht dabei einen Reißverschluss sehr behutsam aber präzise unter die Einspannung der Maschine.

Was kann das neue BTHG nun für Menschen wie Nicole Bernd tun? Mit dem Bundesteilhabegesetz ist eine radikale Systemumstellung verbunden. Das gilt auch im Arbeitsbereich. Derzeit ist die WfbM der zentrale Ort für die Teilhabe am Arbeitsleben. Mit dem BTHG werden nun bundesweit Alternativen zur WfbM eingeführt. Neben der WfbM, stehen ab 2018 das Budget für Arbeit und andere Leistungsanbieter zur Verfügung.1 „Andere Leistungsanbieter“ heißt, dass dann -im Idealfall- soziale Träger künftig Arbeitsplätze für behinderte Menschen anbieten dürfen, um an diese öffentlichen Gelder zu gelangen. Es ist fraglich, ob durch die mangelnden Erfahrungswerte Menschen wie Nicole Bernd dort besser aufgehoben, bzw. ob es überhaupt dazu kommt, dass sie dann auch tatsächlich einen Außenarbeitsplatz bekommen.

Nicole sitzt mittags angespannt mit gefalteten Händen vor mir in der Kantine. Sie sieht diese Entwicklung auch kritisch, um nicht zu sagen – das neue BTHG macht ihr Angst. „Ich weiß nicht, ob das wirklich dazu beiträgt, um Menschen wie mich in die Gesellschaft zu integrieren. Ich denke, es wird eher schwieriger“. Um Hilfen zu erhalten, muss laut dem Entwurf in 5 von 9 Lebensbereichen eingeschränkt sein (§ 99 SGB IX). Wer z.B. wie Nicole Bernd aufgrund einer Sehbehinderung Hilfe zur Mobilität benötigt, ist nicht behindert genug, um Eingliederungshilfe beanspruchen zu können. Einziger Ausweg: Das Wohlwollen des Amtes. 2

Das heißt, dass insbesondere Sehbehinderte wie Nicole aus der Eingliederungshilfe herauszufallen drohen, wenn sie nur in einem Lebensbereich Unterstützung brauchen. Sie ist froh, dass sie auch unter Depressionen leidet. Eine weitere Neuerung stellt die Sparvermögenregelung dar. Um lebensnotwendige Hilfe zu erhalten, dürfen behinderte Menschen kaum Geld sparen. Hilfsmittel werden kaum noch unterstützt aber eine Lupe, wie Nicole sie hat, kostet dann um die 400,- EUR. Ein Betrag, den sie sich nicht mehr ansparen kann. Von was auch? Von ihrem Einkommen wird ihnen, neben den üblichen steuerlichen Abgaben, 24% des über dem Freibetrag liegenden Einkommens abgezogen. 3

Es ist gegen 17Uhr, als sie ihre Wohnung wieder erreicht. Ein langer und anstrengender Arbeitstag liegt hinter ihr. Die Wohnung ist dunkel, nur der Schein der Laterne erhellt das Wohnzimmer. Nicole nimmt ihre Brille ab, reibt sich die Augen und lässt sich auf die Couch fallen. „Es ist ein Teufelskreis: Ich bekomme Grundsicherung wegen meiner Behinderung, dies bleibt für immer. Daher werde ich auch immer Grundsicherung bekommen. Ich darf nie arbeiten und werde dadurch finanziell immer am Existenzminimum sein. So kann man kaum am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Da ziehe ich mich zurück und die Depression wird schlimmer.“

Quellen:
1) (§ 140 SGB XII, ab 2020: 111 SGB IX, jeweils i. V. m. den entsprechenden Regelungen im Teil 1 des SGB IX)
2) https://www.lebenshilfe.de/wData-bthg/docs/aktuelles/Welche-Veraenderungen-bringt-das-Bundesteilhabegesetz-Aktualisierung-12012017.pdf, (abgerufen am 05.02.2018)
3) http://abilitywatch.de/2016/05/10/die-10-groessten-maengel-des-entwurfs-zum-bundesteilhabegesetz/ (abgerufen am 05.02.2018)

20 Platten – die Sie in Ihrem Leben gehört haben sollten

Musik Streaming ist super, Downloads sind cool und CDs nett, aber für echte Musikliebhaber geht kein Weg an der echten Schallplatte vorbei. Das Ritual die Scheibe aus der Hülle zu nehmen, das Aufsetzen der Nadel und dann den unverfängliche Sound klingen zu lassen – macht doch erst das Musikerlebnis aus. In den letzten 5 Jahren hat sich der Absatz von Schallplatten vervierfacht. Ein guter Grund wieder den Plattenspieler aus dem Keller zu holen oder sich einen Neuen anzuschaffen. Auch der Verkauf stieg in den letzten Jahren um ca. 30 Prozent.

Fleckenkieker fragte unseren Leser Chris (DJ und ambitionierter Vinylfan) was er denn nun so besonders am Plattensound finden:

FK: Was hat die Platte was die CD nicht hat?

Chris: Nee Platte ist einfach Kult, alleine das Vinyl ist doch was ganz anderes als ne CD. Man kann das Hören richtig zelebrieren. Auspacken, anfassen, rauflegen, Nadel rauf – dieses Krr Krr am Anfang und dann geht’s los. Einfach klasse!

FK: Wie erklärst du dir den neuen Hype?

Chris: Weiß nicht. Ich glaube das ist so ne Retro-Bewegung,  die die HipsterSzene mitgebracht hat. Trends wiederholen sich doch ständig, war nur ne Frage der Zeit bis wieder alle einen Plattenspieler haben wollten.

FK: Die Platte kommt also immer wieder?

Chris: ja ich denke schon.

FK: Warum ist die Schallplatte so besonders?

Chris: Musik-Freaks greifen gerne zu Vinyl, gerne auch zu audiophilen. Schallplatten haben ein typisches Gewicht von 180 Gramm oder teilweise mehr. Eine konventionelle Schallplatte hat ein Gewicht von 80 bis 120 Gramm. Der Vorteil des audiophilen Vinyls liegt darin, dass die Rille tiefer und damit genauer geschnitten werden kann, somit ist die Dynamik, also der Lautstärkenumfang eines Songs, detaillierter ausgeprägt.
Außerdem gibt es noch haptische Gründe, die für die Platte sprechen: Neben dem Hörgenuss ist es außerdem auch sehr stilvoll, ein Originalalbum auf Platte zu besitzen. Das Cover und das Artwork allgemein sind eine Art von Kunst.

FK: Nenne mal besondere Platte für dich?

Chris: Ich denke zum Beispiel an das Rolling Stones Album „Sticky Fingers“, bei dem ein echter Reißverschluss auf dem Frontcover eingearbeitet ist. Diese Scheibe war damals limitiert und ist daher heute sehr viel wert, sehr geil!

FK: Die letzte Platte die du dir gekauft hast?

Chris: Tatsächlich, die neue von Tocotronic.

FK: Plattenhören ist für dich…

Chris: Unverzichtbar!

*(Fleckenkieker bedankt sich für das Interview)

Nun zu den Top 20, die Sie gehört haben müssen:

 

Viel Freude beim Hören :) Anh

 

 

 

ImkeandJ – Konzertbericht 27.01.18 Schwalebräu Neumünster

„Zwei Köpfe, eine Vision: gute Songs schreiben. Zeitlos. Handgemacht. Nichts für einfach mal so, aber auch nichts, was an den Menschen vorbeigeht. Jeder Song eine Welt. Jeder Text eine Geschichte. Für Seele und Verstand. Für Ohr und Herz. Zwei Instrumente, eine Stimme, viel zu erzählen.“ So steht es auf der Homepage der Band. Also begab ich mich am 27.01.18 ins Schwalebräu Neumünster, um mir genau das einmal anzuhören…

http://www.imkeandj.com/?page_id=1602
Gegen 19:30 waren wir dort und suchten uns zwischen dem gemütlichen Retro-Mobiliar einen guten Platz, um auf die doch sehr kleine Bühne zu schauen. Gesagt, getan… Craft Beer bestellt und gegen 20:30 legte die Band dann los. ImkeandJ das sind, bzw. waren an diesem Abend: Imke Gerdes (Gesang, Gitarre), Jan-Christoph Mohr (Keyboard), Florian Garlow (Kontrabaß). Vom Genre her poetisch akustisch einzuordnen – mit erkennbarer Liebe zum Detail. Die Songs fanden bei den Zuschauern regen Anklang. Auch das Schwalebräu war dann gegen 21 Uhr gut gefüllt, es zeigte sich ein sehr altersgemischtes angenehmes Publikum. Während des Konzertes konnte man jedoch gar nicht anders als den Liedern zu lauschen, denn es war zum Teil doch recht laut und Seitenunterhaltungen waren unmittelbar der Bühne eigentlich nicht möglich.
ImkeandJ bedienten sich bei der Songauswahl unterschiedlicher musikalischer Genres, blieben aber ihrem Sound treu. Daher klangen die Lieder oft recht ähnlich. Besonders gut gefiel mir aber das Britney Spears Cover. Stimmlich hielt die junge Sängerin in Anbetracht der langen Auftrittszeit gut durch.
Spannend bleibt die Entwicklung der Band in jedem Fall. Wer neugierig geworden ist kann ImkeandJ bei folgenden Terminen sehen:

3.2. HH, Holstenwall 30
24.2. Jseteburg, Kirchenweg 3, Eingang Hauptstrasse 24
16.3. Wattenbek, Räucherkate, Dorfstr. 16

KulturTeil – Kulturelle Bildung für benachteiligte Kinder und Jugendliche

„Immer mehr Eltern sind aus unterschiedlichen Gründen auf eine öffentliche Unterstützung in der Erziehung und Bildung ihres Kindes angewiesen.
Das Programm KulturTeil setzt genau dort an. Ziel ist es Kinder und Jugendliche bereits in der Kita und Schule mit Kultur vertraut zu machen, um Chancengleichheit zu gewähren und Bildungsbenachteiligung auszugleichen. Dafür vermittelt das Kulturbüro Neumünster zahlreiche Projekte wie Kreatives Gestalten, Leseförderung, Museumspädagogik, Musik Theater / Tanz und Zirkus. Diese Projekte bringen die Kinder dann in Kontakt mit Künstlern und Kulturinstitutionen. Agnes Trenka initiierte KulturTeil im Rahmen ihrer Arbeit im Kulturbüro. Nadine Anhuth sprach für Fleckenkieker mit Frau Tranka über das Programm:

Fleckenkieker: „Frau Trenka, für wen ist dieses Programm denn nun genau?“
A.Trenka: „Das Programm richtet sich an alle Kinder und Jugendliche in Neumünster von der Kita bis zur weiterführenden Schule. Besonders am Herzen liegt uns dabei die Förderung von sozial benachteiligten Kindern. Oft setzen sich die Eltern leider nicht für die kulturelle Bildung ihrer Kinder und Jugendlichen ein. Daher sind wir besonders daran interessiert, die Angebote an Kitas und Schulen zu installieren, die von Kindern aus sozial und finanzschwachen Familien besucht werden.“

Fleckenkieker: „Was war Ihre Motivation das Programm „KulturTeil“ zu initiieren?“
A. Trenka: „Unsere Motivation war, dass wir Kinder und Jugendliche in Neumünster an Kultur und Bildung heranführen möchten, um Ihnen den Mehrwert kultureller Bildung zu ermöglichen. Dabei spreche ich von der Stärkung ihrer Sozialkompetenz, Selbstkompetenz, Förderung von Integration, Inklusion und den sprachlichen Fähigkeiten.“

Fleckenkieker: „Sie sprechen von unterschiedlichen Kulturangeboten. Welche Sparten deckt das Programm ab?“
A. Trenka: „Wir haben verschiedene Kultursparten. Es gibt Interkulturelles/Sozialkompetenz, Kreatives Gestalten/Kunst, Literatur/Leseförderung, Medien/Museumspädagogik, Musik, Theater/Tanz und Zirkus.“http://kulturteil-nms.de/cms/index.php?article_id=5

Fleckenkieker: „Und wie sieht die Umsetzung dann in der Praxis aus? Zum Beispiel im Bereich Theater?“
A. Trenka: „Da engagieren wir Theaterpädagogen, die einen Theaterkurs oder ein Theaterworkshop leiten. Es ist möglich einfach nur theaterpädagogische Übungen und Rollenspiele zu machen, aber auch ein ganzes Theaterstück einzustudieren.
Beim Theaterspielen wird die Sprachkompetenz effektiv gefördert. Die Kinder trauen sich in einem entspannten Rahmen auf der Bühne zu stehen und ihren Text zu sprechen, daraus dann Mut zu schöpfen und letztendlich das Selbstbewusstsein zu stärken. Sie werden gehört und gesehen.“

Fleckenkieker: „Bekommen Sie auch eine direkte Rückmeldung von den Lehrern, den Schulleitern oder Eltern?“
A. Trenka: „Ja, wir bekommen viele Rückmeldungen. Vor allem aber von den Lehrern oder den Erziehern in den Kitas, weil die natürlich direkt dabei sind, wenn die Angebote stattfinden. Auch die Schulleiter sind begeistert von dem Programm. Man kann also sagen, dass die Rückmeldungen durchweg sehr positiv sind. Das Programm wird gut angenommen. Unsere Buchungszahlen sind hoch. Wir organisieren rund 100 Projekte pro Schuljahr und erreichen damit rund 3700 Kinder und Jugendliche in Neumünster.“

Fleckenkieker: „Hört sich an, als wäre es ein voller Erfolg oder gibt es Hindernisse auf dem Weg?“
A. Trenka: „Es gibt insofern Hindernisse, dass das Programm leider zeitlich befristet ist. Wir haben es für 5 Jahre finanziell bewilligt bekommen. Das gilt noch bis zum Sommer 2019. Die Hürde, die wir dann nehmen müssen, ist die Verstädtigung des Programms. Wir wünschen uns, dass das Programm zeitlich unbefristet laufen lassen kann. Was uns dafür fehlt, ist noch die Finanzierung. Schön wäre auch ein politischer Rückhalt. Denkbar wären ebenfalls Sponsoren oder Stifter, die sich für das Programm einsetzen möchten.“

Fleckenkieker: „Wenn eine Schule nun Interesse hat – wie funktioniert die Anmeldung?“
A. Trenka: „Alle Informationen zum Programm Kulturteil sind unter der Internetseite www.kulturteil-nms.de zu finden. Man kann sich aber auch einfach im Kulturbüro Neumünster melden und wir beraten gerne zu dem Programm. Unsere Projektdatenbank gibt eine tolle Übersicht über die Projekte, aber wir sind auch immer für Interessierte da und beraten auch persönlich.“http://kulturteil-nms.de/cms/index.php?article_id=4

Fleckenkieker: „Stellen Sie sich vor, eine andere Stadt möchte ebenfalls dieses Programm initiieren. Was würden Sie denen als Tipp mitgeben?“
A. Trenka: „Zunächst sollte eine zentrale Koordinatorenstelle eingerichtet werden. Denn hier laufen alle Fäden zusammen. Es ist eine Anlaufstelle für Kitas und Schulen, die ein Angebot buchen möchten, und eben auch eine Möglichkeit für die Kulturanbieter ihre Angebote zu platzieren. Hier scheitert es oft. Die Kitas und Schulen möchten zwar gerne Angebote buchen, aber wissen gar nicht was es alles gibt. Sie müssen sich das alles kompliziert im Internet zusammensuchen. Die Kulturanbieter sind meistens freiberuflich, sie haben keine eigene Internetseite und kaum Möglichkeiten an die Institutionen heranzutreten. Diese Bündelung von Infos findet in dieser Koordinatorenstelle statt.
Wichtig ist natürlich auch die finanzielle Förderung zu gewährleisten. Eine Sache ist die Informationen bereitzustellen, aber die Kitas und Schulen haben nur begrenzte Mittel, um sich Angebote leisten zu können. Deswegen ist diese 70%ige Finanzierung, die wir über KulturTeil leisten, auch ein sehr zentraler Bestandteil. Das Paket aus diesen beiden Teilen ist wichtig.“

Wir bedanken uns für das Interview zum Thema KulturTeil – Kulturelle Teilhabe und Bildung für Kinder und Jugendliche in Neumünster.http://kulturteil-nms.de/cms/

Ihre Ansprechpartnerin im Kulturbüro der Stadt Neumünster:
Frau Agnes Trenka
Tel-Nr.: 04321 – 942 3315
E-Mail: agnes.trenka@neumuenster.de

 

Der Stoff aus dem Neumünster gemacht wurde

Das monotone Rattern eines Webstuhles erfüllt den Ort mit einem Klang
aus einer längst vergangen Zeit. Am Webstuhl sitzt Gerhild Schröder, pen-
sionierte Weberin und nun Mitarbeiterin im Museum für Tuch und
Technik. Sie erzählt: „Dieses Geräusch ist für mich fast entspannend,
hat fast einen meditativen Aspekt“. Gerhild Schröder ist gelernte
Weberin und absolvierte ihren Meister in Bremen. Sie webt jeden Freitag
Handtücher und Decken für den Museumsshop.

Denn heute ist das industrielle Zeitalter Neumünsters vorbei. Im
Museum reihen sich maschinelle Zeitzeugen dicht an dicht. Vom
Webstuhl des 9.Jahrhunderts, über die Spinning Jenny-dem ersten
dampfbetriebenen Webstuhl bis zur modernen Greifwebmaschine.
Eine riesige helle Werkshalle liegt vor den Besuchern, wenn man vom
Haupteingang über die Brücke die erste Etage betritt. Mit Blick von
der Empore auf diverse Maschinen der Textilverarbeitung zieht sich
das Museum über eine Fläche von ca. 2000 Quadratmetern. Es riecht
nach Motorenöl – nicht nach Textilien. Vom industriellen epochalen
Neumünster bleibt außer den Maschinen nicht viel übrig. Das was übrig
bleibt, kann man sich seit 2007 im Museum für Tuch und Technik ansehen.
Mitten im Herzen der ehemaligen Industriestadt steht das Museum in
Schaukastenoptik und bewahrt dort die Zeugen dieser Zeit. Hier erfährt
der Besucher alles über die Technik und die Menschen, die in der Textil-
herstellung tätig waren.

Anja Pöpplau, Museumspädagogin erklärt, dass es früher haupt-
sächlich arme Familien waren, die ihren Lebensunterhalt dadurch
bestritten. Die Eltern arbeiteten mindestens vierzehn Stunden am
Tag, die Kinder sammelten die Wolle in der Fabrik auf. Sobald ein Kind
laufen konnte, wurde dies ohne Ausnahme, zur Arbeit herangezogen.
1891 wurde die Kinderarbeit dann verboten. Was alles dafür nötig war
diese Kleidung herzustellen und mit welchen Entbehrungen die
Arbeiter leben mussten, zeigt das Museum. Neben den zahlreichen
Infos zur Technik, kann der Besucher auch selbst viel ausprobieren
und z.B. das Weben üben. Außerdem gibt es eine Abteilung über
die Stadtgeschichte und ein „Kino“ mit Filmen von Anwohnern über
das Leben in der Stadt.
Auch Astrid Frevert, Direktorin des Museums, sieht sich nicht nur
als Ausstellerin sondern auch als Vermittlerin von Kulturgut,
das für die Zukunft aufgehoben werden soll. Sie möchte bewusst machen

wie aufwändig die Herstellung der Kleidung ist. Astrid Frevert meint
es sei wichtig selbstbewusst mit dem Textilerbe und somit mit der
Neumünsters Vergangenheit umzugehen.

Gerhild Schröder möchte dieses Erbe auch bewahren, daher setzt sie
sich jeden Freitag an den Webstuhl, zieht dort konzentriert ihre
Bahnen und webt Textilien. So wie sie es gelernt hat. Gerhild Schröder
ist zufrieden. Heute ist wieder ein Stück Neumünsteraner Geschichte
in Form eines Tuches entstanden.