FLECKENKIEKER

Kultur & Politik für Neumünster & Umzu

„Kinder besonders gefährdet“-Die Verantwortung kommt unter die Räder

Die neuesten Zahlen der Erfassung von Verkehrstoten unter 18 Jahren alarmieren. Kinder, als die schwächsten Verkehrsteilnehmer, sind gefährdeter denn je. Ursache ist, in den meisten Fälle, das fahrlässige Verhalten Erwachsener.
Erstmals wird wieder bei Kindern ein Anstieg der Todesopfer im Straßenverkehr verzeichnet. Im Schnitt wurde alle 18 Minuten ein Kind verletzt. In der Hälfte der Fälle nicht aktiv, sondern als Mitfahrer. Häufigster Grund: Raserei, gefolgt von falschem Abbiegen und fehlerhaften Wendemanövern oder Rückwärtsfahren.
Einerseits lässt dies Rückschlüsse auf verantwortungsloses Verhalten der Erwachsenen, geprägt durch Alltagsstress, Zeitdruck und sonstige Ablenkungen, zu. Auch das Alter der Autofahrer und dadurch bedingte rapide Abfall des Reaktionsvermögens, spielt dabei eine Rolle. Andererseits werden Kinder in der heutigen Zeit übertrieben häufig von den Eltern von A nach B chauffiert, so dass sie selbst kaum die Möglichkeit haben, den sicheren Umgang im Straßenverkehr zu erlernen. So lernen die Kleinsten, wenn überhaupt, durch Nachahmung.

Apropos Vorbildfunktion: Wann sind Sie eigentlich das letzte Mal vermeidlich unbeobachtet über eine rote Ampel gelaufen, weil sie es eilig hatten? Verantwortung nicht nur für sich, sondern auch für Schwächere zu übernehmen, fängt häufig schon an der nächsten Kreuzung an.

Gegen die Natur – von Langschläfern und Spätaufsteher

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Aus dem Munde von Vereinsvorsitzenden Rüdiger Bartsch würde diese Redensart wohl eher so klingen: „Der frühe Vogel kann mich mal.“

Seit der Gründung des Langschläfervereins „Delta t“ (*Delta t ist ein physikalischer Ausdruck für eine Zeitdifferenz), gibt es dort regen Zulauf. An einem Sonntag im Dezember, bei einem späten Frühstück, gründeten elf von Rüdiger Bartsch eingeladenen Langschläfer den ersten deutschen Spätaufsteherverein. Vereinsziel laut Satzung ist es „zeitversetzt und langschlafenden Menschen zu Anerkennung, Toleranz und vor allem zu einem ihrer Natur entsprechendem Leben zu verhelfen.“ Doch lässt sich dieses redliche Vorhaben in den Alltag übertragen?
Gut, die vorteilhaften Ladenöffnungszeiten sorgen schon mal dafür, dass Langschläfer keine leeren Kühlschränke haben müssen, aber im beruflichen Leben gibt es dann wohl einige Hürden zu nehmen. Schließlich kann nicht Jeder in der Gastronomie arbeiten.

Für ein Leben im Einklang mit der eigenen Natur spricht auch Dr. Harald Bense der Uni Regensburg. Der Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums meint: „Es gibt einen genetischen vorgegeben Schlafrhythmus. Das haben Tierversuche erwiesen. Die Literatur unterscheidet zwischen „Lerchen“ und „Eulen“. Bei den „Eulen“ läuft die innere Uhr, die den Schlaf-Wach-Rhythmus bestimmt, nicht im üblichen 24h Takt, sondern in einem Rhythmus von 25 Stunden. Das heißt aber nicht, dass wir dem wehrlos ausgeliefert sind. Wann und wie lange jemand schläft, hängt auch von den äußerlichen Einflüssen ab. Den meisten Spätaufstehern kann mit einer einfachen Maßnahme geholfen werden. Stellen Sie an Wochenenden den Wecker auch auf 8 Uhr!“
Doch wer tut das schon. Langschläfer sind gesellschaftlich wenig anerkannt. So reichen die Vorurteile weit von „alles Künstler“, über „Faulpelze“, bis zu „Tagediebe“. Dennoch gibt es einige berühmte Spätaufsteher: Gottfried Wilhelm Leipniz und Willam Shakespeare arbeiteten auch vorzugsweise nachts.

Rüdiger Bartsch meint gegen den Widerstand: „Wir leben im normalen 16 Stunden Wach-Schlaf-Rhythmus wie andere Menschen auch. Da der aber später einsetzt als beim Durchschnitt, bezeichnen wir uns als zweitnormal. Viele Langschäfer müssen gegen ihre Natur anleben, um nicht ohne Job dazustehen. Aber ist das gesund? Schauen Sie sich einen Sachbearbeiter beim Finanzamt mal an. Der bekommt morgens kaum die Augen auf und gegen 21 Uhr könnte er Bäume ausreißen.“

Bleibt die Frage, ob es in unserer heutigen schnelllebigen Gesellschaft nicht gut ist einfach mal mehr auf die innere Stimme und die innere Uhr zu achten. Denn auch die Produktivität hängt davon ab, ob jemand ausgeschlafen ist oder nicht. Achtsamkeit steht hoch im Kurs, gleitende Arbeitszeiten, für den der es sich leisten kann, könnten da ein gutes Signal sein. Sind sie eine „Eule“ oder eine „Lerche“? Arbeiten Sie schon oder schlafen Sie noch?

Turbostaat rocken die Alte Meierei in Kiel

„Definitiv einer besten Livebands des Nordens“- voll des Lobes waren die Besucher am letzten Freitag in der Alten Meierei in Kiel.

Turbostaat besuchten wieder einmal die Landeshauptstadt und die Fans folgten Ihnen aufs Wort. Beim Betreten des Geländes der Alten Meierei erblickten wir als erstes eine schier endlose Schlange von erwartungsvollen Fans. Dies war dem Umstand geschuldet, dass es zuvor nicht möglich war an Karten zu kommen. In der Alten Meierei war nur eine Abendkasse möglich. Schlau, sich rechtzeitig in die Schlange zu begeben sofern man nicht auf der Gästeliste stand. Der Eintrittspreis lag zwischen 7,- und 9,- Euro, wobei die Besucher selbst bestimmen konnten wieviel sie zahlen möchten.

Turbostaat; das sind Jan (Gesang), Roland (Gitarre), Marten (Gitarre), Tobert (Bass) und Peter (Schlagzeug). Die 5 spielen nun bereits seit 1999 zusammen. Sie gründeten sich damals in Flensburg und probten im dortigen Volksbad. Mittlerweile wohnen sie aber nicht mehr in der Stadt. Die Musikrichtung kann gern im Bereich Punkrock – Deutschpunk mit Popelementen angesiedelt werden.

Die sympathische Band spielte eine bunte Mischung aus allen hervorgebrachten Alben u.a. die Song : Captain Käse, Pennen bei Glufke, Eisenmann, Insel und Vieles mehr. Immer begleitet durch die stimmungsgewaltigen und textsicheren Fans. So konnte Sänger Jan Windmeier auch zwischendurch mal das Mikrofon an die erste Reihe abgeben.

Nach fast 2 Stunden verabschiedete sich die Band unter starkem Beifall.  Was blieb war die Begeisterung denn eigentlich wollte sie niemand gehen lassen. Die nächsten Tourdaten sind:http://turbostaat.de/konzerte

Weitere Infos zur Band finden Sie unter: http://turbostaat.de/

 

Puigdemont – Große Politik in Neumünster? / ein Kommentar von Nadine Anh

Was passieren kann, wenn man sein Exil verlässt, um an einer Diskussionsveranstaltung in Dänemark teilzunehmen, sehen wir derzeit in unserer schönen Heimatstadt. Seit dem letzten Wochenende haben wir hier einen international umstrittenden Gast. Weltpolitik in Neumünster. Die Rede ist von Carles Puigdemont.


Carles Puigdemont, der Chef der katalanischen Separatisten, verließ zum ersten Mal sein Exil in Belgien. Dort hielt er sich seit dem letzten Oktober auf, da die spanischen Behörden einen Haftbefehl gegen ihn erlassen haben. Nun reiste er nach Kopenhagen, um an einer Veranstaltung teilzunehmen. Während seines Aufenthaltes im Nachbarland wurde dann der internationale Haftbefehl erlassen.
Die dänische Diskussionsveranstaltung thematisierte die politische Situation in Katalonien und die Herausforderungen, die Katalonien im europäischen Zusammenhang bevorsteht. Nur die Herausforderung Puigdemont im eigenen Land festzunehmen, war dann wohl doch etwas zu gewagt für unsere dänischen Nachbarn. So kam es laut Medienberichten zu gezielten Hinweisen betreffend der Grenzüberquerung nach Deutschland. Carles Piugdemont wurde am Sonntag beim Übertritt der Grenz von deutschen Bundesbeamten verhaftet.

Nun sitzt der Katalane in der Untersuchungshaft und wartet auf das Ergebnis des Antrages auf die Auslieferungshaft. Innerhalb von maximal 60 Tagen ist eine Entscheidung über die Auslieferung herbeizuführen. Doch die deutsche Justiz hat gute Gründe, ihn nicht an Spanien auszuliefern. Im Fall Puigdemont handelt es sich nicht um gewöhnliche Kriminalität. Wenn keiner der im europäischen Haftbefehl benannten Deliktsbereiche betroffen ist, gelten die allgemeinen Auslieferungsregeln. Dann gilt das Prinzip der beiderseitigen Strafbarkeit. Das heißt, wenn Deutschland die Taten Puigdemonts selbst für strafbar hielte, dürfte er ausgeliefert werden. Die Gründe für seine Verhaftung: Rebellion, Aufwiegelung und Veruntreuung öffentlicher Mitte  sind nur bedient strafbar in unserem Land. Den Tatbestand der Rebellion gibt es im deutschen StGB nicht.

Hochverrat (§ 81 StGB) gibt es allerdings schon, aber hier wäre noch ein weiterer Aspekt zu beachten: Keine Auslieferung bei politischen Straftaten (§ 6 Abs. 1 IRG). Die Staaten sollen nicht in den politischen Auseinandersetzungen innerhalb eines anderen Staates mit den Mitteln des Strafrechts Partei ergreifen. Daher beginnt hier der Anwendungsbereich des Grundrechts auf politisches Asyl (Art. 16 a GG).

 

Wie es mit Puigdemont in Neumünster weitergeht und das erwartete Ergebnis ausfällt, darauf wird sich die politische Welt nun noch bis nach Ostern gedulden müssen.

 

Nachtrag: 09.04.18

Nach Puigdemont-Freilassung
Berlin statt Neumünster

Zumindest teilweise hat Puigdemont erreicht, was er wollte. Der katalanische Separatistenführer kann bis zum Ende des juristischen Verfahrens in Berlin bleiben. Der katalanische Separatistenführer Carles Puigdemont hat erreicht, dass die Auflagen für seine Haftverschonung in seinem Sinn geändert werden. Sein Antrag, sich statt bei der Polizei in Neumünster jetzt ein Mal wöchentlich in Berlin melden zu dürfen, wurde vom Oberlandesgericht Schleswig-Holstein genehmigt, wie eine Gerichtssprecherin in Schleswig der Nachrichtenagentur dpa sagte.
Puigdemont hatte am Samstag angekündigt, bis zum Ende des juristischen Verfahrens in Berlin wohnen zu wollen.

Kultur macht Schule – Schule macht Kultur

Aufgeregt reden sie durcheinander, lachen und und freuen sich auf die Stunde mit Olaf Plotz. Der 63jährige, mit aufgeweckt freundlichem Blick – macht seit den 70ern Musik und ist nun seit 2013 Dozent im KulturTeil Programm. Hier im gemütlichen Musikraum sitzen nun 20 Kinder erwartungsvoll in einem Stuhlkreis zusammen. Es ist die zweite Schulstunde. Die Kinder kommen aus unterschiedlichen Herkunftsländern, aber Eines haben sie gerade gemeinsam: Die Vorfreude auf die Percussionstunde.

“Wenn es egal ist, wie du aussiehst, woher du kommst, ob du die Sprache sprichst und nur die Musik verbindet, dann ist es KulturTeil-Zeit an der Vicelinschule in Neumünster,“ so Plotz, dabei schnappt er sich eine Trommel und geht im Wiegeschritt durch die Reihen der Grundschüler.

Die wöchentliche Percussionstunde schafft für die Kinder, Integration durch Sprachförderung. Olaf Plotz führt die sie an Trommelübungen heran, dabei spricht er rhytmisch die Texte vor und lässt diese dann von den Schülern wiederholen und erzählt, wie das hilft: “Ich hole alle Kinder da ab, wo sie sprachlich gerade stehen. Mal ist es etwas schwergängiger, mal sind es aber auch Klassen, wo es ganz schnell läuft. Und das verbessert neben der sprachlichen Entwicklung auch die Konzentration”.

Sina, ein kleines, schlankes Mädchen mit schwarzen Haaren und dunklen Augen, betritt noch etwas zaghaft die Bühne des Musikraumes. Sie flüchtete vor knapp 2 Jahren mit ihrer Familie aus Syrien und hat noch Probleme mit der deutschen Sprache. Nun darf sie sich ein Percussioninstrument aussuchen und wählt die Mbira, ein afrikanisches Daumenklavier mit unverwechselbarem Klang.
Mit unsicherem Griff bedient sie mit ihren kleinen Fingern das exotische Instrument. Sina stellt sich ganz vorne an den Bühnenrand und gibt mit dem Instrument einen Rhythmus vor. Die Klassenkameraden folgen ihr. Es passiert ganz ohne Worte. Dennoch verstehen sie alle und genau das ist es, was dieses Projekt ausmacht. Durch den spielerischen Umgang schaffen es die Kinder, sich schnell auf die deutsche Sprache einzulassen. Sie verbinden dann die Freude und die Erfolgserlebnisse mit dem Spracherwerb.

KulturTeil wird vom Kulturbüro Neumünster initiiert und Agnes Trenka ist dafür zuständig: „Wir bekommen viele Rückmeldungen. Vor allem aber von den Lehrern oder den Erziehern, weil die natürlich direkt dabei sind, wenn die Angebote stattfinden. Man kann also sagen, dass die Rückmeldungen durchweg sehr positiv sind. Das Programm wird gut angenommen. Unsere Buchungszahlen sind hoch. Wir organisieren rund 100 Projekte pro Schuljahr und erreichen damit rund 3700 Kinder und Jugendliche in Neumünster.“

Ganz besonders werden sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche mit diesem Programm gefördert. Daher war es sinnvoll, die Angebote an Kitas und Schulen zu installieren, die von Schülern aus sozial und finanzschwachen Familien besucht werden. Denn diese Familien schaffen es oft aus unterschiedlichen Gründen nicht, den Kindern kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.
Interessiert sich eine Schule oder KiTa für das Prgramm, so gibt es eine Datenbank aus der Lehrer und Erzieher sich dann kulturpädagogische Angebote heraussuchen können. Die Vielfalt dieser Angebote reicht über Projekte wie Kreatives Gestalten, Leseförderung, Museumspädagogik, Musik, Theater, Tanz und Zirkus. Dazu werden dann Musiker, Künstler und Theaterpädagogen, die einen Kurs oder ein Workshop leiten, engagiert. Es ist möglich, einfach nur pädagogische Übungen und Rollenspiele zu machen, aber auch z.B. ein ganzes Theaterstück einzustudieren. So wird die Sprachkompetenz ganzheitlich gefördert. Die Kinder trauen sich in einem entspannten Rahmen auf der Bühne zu stehen, zu musizieren oder gemeinsam ihren Text zu sprechen. Daraus schöpfen sie Mut und eignen sich so letztendlich das Selbstbewusstsein an, welches sie im Schulalltag benötigen, denn sie werden gehört und gesehen.
Der Pausengong beendet die Percussionstunde. Selbst als es klingelt sind die Kinder der zweiten Klasse an der Vicelinschule in Neumünster immernoch ganz in ihrem Element und können sich nur schwer von den Instrumenten trennen. Brav bringen sie diese dann doch in den Nebenraum; einige Schüler bedanken sich sehr herzlich bei Olaf Plotz. Die Freude auf ihren Gesichtern spricht Bände.

Das Programm KulturTeil ist erstmal für 5 Jahre finanziell bewilligt. Also bis zum Sommer 2019. Ab dann braucht das Programm in Neumünster Unterstützer, um weiter existieren zu können. Doch noch fehlt die Finanzierung.

In der kommenden Legislaturperiode gilt für das Bundesland Schleswig-Holstein: Mehr Geld für Kitas, Wissenschaft und Schule. Ziel der Landesregierung ist es, bis zum Ende der Legislaturperiode Eltern und Kommunen im Kita-Bereich zu entlasten sowie die Qualität in den Kitas zu steigern. Allerdings umfasst das Investitionspaket eher Bereiche wie den Schulbau, Sportstätten und die sonstige Infrastruktur. Für das Programm „KulturTeil“ bedeutet dies, nur die Hoffnung darauf, dass sich die Stadt wohlwollend zeigt oder sich Sponsoren finden lassen.

Mittlerweile ist die Pause vorbei, es klingelt zur nächsten Schulstunde und die Kinder, die eben noch im Musikraum Percussionunterricht hatten, stürmen heiter in den Klassenraum. Deutsch steht auf dem Stundenplan. Die Lehrkraft erwartet nun eine ausgeglichene Klasse, die sich die nächsten 45 Minuten gut konzentrieren kann. Nur ein Effekt des KulturTeil Programmes an der Vicelinschule in Neumünster an diesem Tag.

http://kulturteil-nms.de/cms/