KulturTeil – Kulturelle Bildung für benachteiligte Kinder und Jugendliche

„Immer mehr Eltern sind aus unterschiedlichen Gründen auf eine öffentliche Unterstützung in der Erziehung und Bildung ihres Kindes angewiesen.
Das Programm KulturTeil setzt genau dort an. Ziel ist es Kinder und Jugendliche bereits in der Kita und Schule mit Kultur vertraut zu machen, um Chancengleichheit zu gewähren und Bildungsbenachteiligung auszugleichen. Dafür vermittelt das Kulturbüro Neumünster zahlreiche Projekte wie Kreatives Gestalten, Leseförderung, Museumspädagogik, Musik Theater / Tanz und Zirkus. Diese Projekte bringen die Kinder dann in Kontakt mit Künstlern und Kulturinstitutionen. Agnes Trenka initiierte KulturTeil im Rahmen ihrer Arbeit im Kulturbüro. Nadine Anhuth sprach für Fleckenkieker mit Frau Tranka über das Programm:

Fleckenkieker: „Frau Trenka, für wen ist dieses Programm denn nun genau?“
A.Trenka: „Das Programm richtet sich an alle Kinder und Jugendliche in Neumünster von der Kita bis zur weiterführenden Schule. Besonders am Herzen liegt uns dabei die Förderung von sozial benachteiligten Kindern. Oft setzen sich die Eltern leider nicht für die kulturelle Bildung ihrer Kinder und Jugendlichen ein. Daher sind wir besonders daran interessiert, die Angebote an Kitas und Schulen zu installieren, die von Kindern aus sozial und finanzschwachen Familien besucht werden.“

Fleckenkieker: „Was war Ihre Motivation das Programm „KulturTeil“ zu initiieren?“
A. Trenka: „Unsere Motivation war, dass wir Kinder und Jugendliche in Neumünster an Kultur und Bildung heranführen möchten, um Ihnen den Mehrwert kultureller Bildung zu ermöglichen. Dabei spreche ich von der Stärkung ihrer Sozialkompetenz, Selbstkompetenz, Förderung von Integration, Inklusion und den sprachlichen Fähigkeiten.“

Fleckenkieker: „Sie sprechen von unterschiedlichen Kulturangeboten. Welche Sparten deckt das Programm ab?“
A. Trenka: „Wir haben verschiedene Kultursparten. Es gibt Interkulturelles/Sozialkompetenz, Kreatives Gestalten/Kunst, Literatur/Leseförderung, Medien/Museumspädagogik, Musik, Theater/Tanz und Zirkus.“http://kulturteil-nms.de/cms/index.php?article_id=5

Fleckenkieker: „Und wie sieht die Umsetzung dann in der Praxis aus? Zum Beispiel im Bereich Theater?“
A. Trenka: „Da engagieren wir Theaterpädagogen, die einen Theaterkurs oder ein Theaterworkshop leiten. Es ist möglich einfach nur theaterpädagogische Übungen und Rollenspiele zu machen, aber auch ein ganzes Theaterstück einzustudieren.
Beim Theaterspielen wird die Sprachkompetenz effektiv gefördert. Die Kinder trauen sich in einem entspannten Rahmen auf der Bühne zu stehen und ihren Text zu sprechen, daraus dann Mut zu schöpfen und letztendlich das Selbstbewusstsein zu stärken. Sie werden gehört und gesehen.“

Fleckenkieker: „Bekommen Sie auch eine direkte Rückmeldung von den Lehrern, den Schulleitern oder Eltern?“
A. Trenka: „Ja, wir bekommen viele Rückmeldungen. Vor allem aber von den Lehrern oder den Erziehern in den Kitas, weil die natürlich direkt dabei sind, wenn die Angebote stattfinden. Auch die Schulleiter sind begeistert von dem Programm. Man kann also sagen, dass die Rückmeldungen durchweg sehr positiv sind. Das Programm wird gut angenommen. Unsere Buchungszahlen sind hoch. Wir organisieren rund 100 Projekte pro Schuljahr und erreichen damit rund 3700 Kinder und Jugendliche in Neumünster.“

Fleckenkieker: „Hört sich an, als wäre es ein voller Erfolg oder gibt es Hindernisse auf dem Weg?“
A. Trenka: „Es gibt insofern Hindernisse, dass das Programm leider zeitlich befristet ist. Wir haben es für 5 Jahre finanziell bewilligt bekommen. Das gilt noch bis zum Sommer 2019. Die Hürde, die wir dann nehmen müssen, ist die Verstädtigung des Programms. Wir wünschen uns, dass das Programm zeitlich unbefristet laufen lassen kann. Was uns dafür fehlt, ist noch die Finanzierung. Schön wäre auch ein politischer Rückhalt. Denkbar wären ebenfalls Sponsoren oder Stifter, die sich für das Programm einsetzen möchten.“

Fleckenkieker: „Wenn eine Schule nun Interesse hat – wie funktioniert die Anmeldung?“
A. Trenka: „Alle Informationen zum Programm Kulturteil sind unter der Internetseite www.kulturteil-nms.de zu finden. Man kann sich aber auch einfach im Kulturbüro Neumünster melden und wir beraten gerne zu dem Programm. Unsere Projektdatenbank gibt eine tolle Übersicht über die Projekte, aber wir sind auch immer für Interessierte da und beraten auch persönlich.“http://kulturteil-nms.de/cms/index.php?article_id=4

Fleckenkieker: „Stellen Sie sich vor, eine andere Stadt möchte ebenfalls dieses Programm initiieren. Was würden Sie denen als Tipp mitgeben?“
A. Trenka: „Zunächst sollte eine zentrale Koordinatorenstelle eingerichtet werden. Denn hier laufen alle Fäden zusammen. Es ist eine Anlaufstelle für Kitas und Schulen, die ein Angebot buchen möchten, und eben auch eine Möglichkeit für die Kulturanbieter ihre Angebote zu platzieren. Hier scheitert es oft. Die Kitas und Schulen möchten zwar gerne Angebote buchen, aber wissen gar nicht was es alles gibt. Sie müssen sich das alles kompliziert im Internet zusammensuchen. Die Kulturanbieter sind meistens freiberuflich, sie haben keine eigene Internetseite und kaum Möglichkeiten an die Institutionen heranzutreten. Diese Bündelung von Infos findet in dieser Koordinatorenstelle statt.
Wichtig ist natürlich auch die finanzielle Förderung zu gewährleisten. Eine Sache ist die Informationen bereitzustellen, aber die Kitas und Schulen haben nur begrenzte Mittel, um sich Angebote leisten zu können. Deswegen ist diese 70%ige Finanzierung, die wir über KulturTeil leisten, auch ein sehr zentraler Bestandteil. Das Paket aus diesen beiden Teilen ist wichtig.“

Wir bedanken uns für das Interview zum Thema KulturTeil – Kulturelle Teilhabe und Bildung für Kinder und Jugendliche in Neumünster.http://kulturteil-nms.de/cms/

Ihre Ansprechpartnerin im Kulturbüro der Stadt Neumünster:
Frau Agnes Trenka
Tel-Nr.: 04321 – 942 3315
E-Mail: agnes.trenka@neumuenster.de